Was kostet eigentlich ein Baugutachter?

Wenn es bei einem Bauvorhaben Probleme gibt, oder Sie von Anfang an eine höhere Sicherheit wollen, dann ist es sinnvoll einen Bausachverständigen oder Baugutachter zu beauftragen. Doch was kostet es Sie, als privaten Bauherren, einen Baugutachter einzuschalten und in welchem Fall lohnt es sich wirklich? Einige nützliche Informationen haben wir für Sie zusammengefasst.


Baugutachter, Qualitätssicherung, Baustelle

Ein Baugutachter, oder Bausachverständiger, ist ein Experte im Bereich des Bauens, der in Streitfällen vermittelt und Gutachten erstellt. Weitere Grundlegende Informationen finden Sie auch im Blogeintrag: Wann lohnt sich ein Bausachverständiger? Für Sie, als Bauherren, kann es Sinn machen einen Baugutachter zur baubegleitenden Qualitätssicherung oder im potentiellen Schadensfall hinzuzuziehen.


Was kostet eine Baubegleitende Qualitätsüberwachung?


Im Rahmen der baubegleitenden Qualitätsüberwachung auch Baubegleitung genannt ist der Baugutachter vom Planungsprozess bis zur Abnahme an Ihrer Seite. Hierbei ist das Honorar Verhandlungssache. Es kann zum einen eine prozentuale Pauschale sein, die sich an der netto Bausumme ausrichtet und etwa ein bis zwei Prozent dieser beträgt. Zum anderen kann eine Pauschale für Ortstermine vereinbart werden. Dabei wird in der Regel für eine Stichprobe eine Summe von etwa 400-500 Euro netto verhandelt. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang die Anzahl der Ortstermine sowie die nachvollziehbare und verständliche Dokumentation nach jeder Begehung.

Da es hier keine gesetzliche Vorgabe gibt, werden diese Preise individuell zwischen Ihnen und dem Baugutachter vereinbart. Damit Sie mit der Leistung zufrieden sind empfehlen wir Ihnen, das Angebot Ihres Baugutachters vorab gut zu prüfen und erst dann Vertragsdokumente zu unterschreiben.

Achten Sie darauf, welche Leistungen genau Ihr Baugutachter anbietet.

Die Anzahl der Ortstermine und das Format der Dokumentation dieser ist entscheidend.

Lassen Sie sich ein Beispiel eines vergangenen Berichts zeigen, um einen Eindruck zu bekommen, wie Ihr Baugutachter das Berichtswesen handhabt. In jedem Fall sollten diese Faktoren vorab detailliert geklärt sein, sodass es später nicht zu Überraschungen kommt.


Sie können dies mit einem Einkauf vergleichen: hier möchten Sie auch wissen, was sich im Warenkorb befindet, bevor Sie bezahlen, sodass Sie letztendlich mit ihrem Kauf zufrieden sind.


Was kostet mich Gewissheit?


Häufig beauftragen private Bauherren einen Baugutachter, wenn es zu Unklarheiten während dem Bauablauf, bei der Bauabnahme oder nach Fertigstellung des Projekts kommt. Meist geht es darum, ob ein Mangel vorliegt oder nicht und wenn ja, wer dafür verantwortlich ist.

Die Kosten sind in diesem Fall abhängig von der genauen Aufgabe und dem damit verbundenen Aufwand. In der Regel wird in dieser Situation ein Honorar auf Stundenbasis vereinbart, das in etwa zwischen 100 und 150 Euro liegt. Allerdings spielt auch hier die geographischen Lage eine Rolle, da mögliche Anfahrtskosten berücksichtigt werden müssen.

„Mit der Vermeidung von Mängeln und Schäden verhält es sich wie mit der Gesundheit. Vorsorge ist besser und günstiger als Nachsorge“

Sicherlich fragen Sie sich, ob sich die Kosten eines Baugutachter lohnen, wenn Sie sich gar nicht sicher sind, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt. Unserer Erfahrung nach lohnt es sich jedoch immer Gewissheit über den Zustand ihres Eigenheims zu erlangen, was als Laie meist schwierig abzuschätzen ist.

Handelt es sich nur um einen kleinen Riss im Putz, können Sie dann wieder beruhigt schlafen. Verbirgt sich aber dahinter ein größerer Schaden und womöglich ein Mangel in der Baukonstruktion ist es gut, so früh wie möglich den Schaden zu beheben.

Damit der Kostenrahmen hier für Sie so gering wie nur möglich ausfällt, empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

1

Vereinbaren Sie zunächst mit Ihrem Baugutachter einen Vor-Ort-Termin, bei dem Sie ihm den potentiellen Mangel zeigen und erklären, was Ihre Bedenken diesbezüglich sind. Oftmals reichen ein bis zwei Stunden schon aus, um zu beurteilen, ob ein Mangel vorliegt.

2

Sind Ihre Sorgen unbegründet, ist der Kostenfaktor auf Grund des geringen Stundenaufwands nicht allzu hoch und Sie erlangen Gewissheit. Im Falle eines Mangels wird bei diesem ersten Gespräch auch festgelegt, welche weiteren Punkte untersucht werden sollen und welche Schritte sinnvoll sind.

3

Anschließend ist meist die Anfertigung einer schriftlichen Ausarbeitung sinnvoll, um die genaue Sachlage festzuhalten. Mit Hilfe dieses Gutachtens können Sie, im Falle einer vorhandenen Gewährleistung, an den Verantwortlichen herantreten. Bei einer Altbau-Immobilie hilft Ihnen die Ausarbeitung dabei, einem Handwerker zu erklären, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind und für welche Leistungen Sie ihn beauftragen möchten. Der Sachverständige kann nach einem Ortstermin eine Abschätzung für die Gutachtenerstellung machen. Die Abrechnung erfolgt dann in der Regel nach Aufwand zu einem vorab vereinbarten Stundenhonorar.

„Häufig sind die Kosten eines Baugutachters relativ klein im Verhältnis zu den potentiellen Kosten, die unter Umständen auf Sie zukommen können und es lohnt sich Gewissheit über die Situation zu erhalten.“

Wie gehe ich im Streitfall vor?

Im Gewährleistungsfall empfehlen wir Ihnen mit dem Gutachten und zunächst ohne rechtliche Begleitung an den verantwortlichen Handwerker heranzutreten. Ein Vor-Ort-Termin mit allen Parteien, bei dem der Mangel genau begutachtet und erklärt wird, ist in diesem Fall erstrebenswert.

Idealerweise einigen sich alle Parteien schnell und ohne einen Rechtsanwalt, denn im Falle eines Rechtsstreits wird die Situation in der Regel um ein Vielfaches der eigentlichen Schadenssumme teurer. Wird keine einfache Lösung gefunden, ist es unumgänglich einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Da es sich bei Anwälten im Normalfall selbst um Laien bezüglich des Bauwesens handelt, ist das schriftliche Gutachten unumgänglich, um die Klage zu formulieren. Die Formulierung basiert auf diesem Gutachten, um den Schaden nachvollziehbar darzustellen – umso besser die Grundlage, umso höher ist auch die Aussicht auf Erfolg vor Gericht.


Wenn Sie beim Bau Ihres Projektes also auf Nummer sicher gehen wollen, kann es sich für Sie lohnen, einen Baugutachter zu Rate zu ziehen. Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob ein Mangel vorliegt oder nicht, können Sie oft schon mit geringem Kostenaufwand Klarheit schaffen und haben eine Fahrplan für weitere Schritte.

Der Hausbau ist auch heute noch ein handwerklicher Prozess. Fehler liegen in der Natur des Menschen, unser Ziel ist es diese in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Baugutachter, Architekt und Handwerker auch wieder auszuräumen.